Geschichte von Deutschland

Deutschland ist jünger, als Sie denken

Die Nation, die wir informell Deutschland nennen (offizieller Name: Bundesrepublik Deutschland), ist viel jünger als die Vereinigten Staaten von Amerika! Selbst wenn wir bis zu Preußen und der ersten deutschen Einigung von 1871 zurückgehen, ist Deutschland als Nation fast ein Jahrhundert jünger als die USA (die Verfassung wurde 1789 ratifiziert). Aber beginnen wir am Anfang.

Die germanischen Stämme

Die ersten Menschen, die das Gebiet, das wir heute Deutschland nennen, bewohnten, waren Kelten. Nach und nach wurden sie von den aus dem Norden einwandernden Germanen verdrängt, deren genaue Herkunft jedoch unbekannt ist. Etwa ab dem ersten Jahrhundert v. Chr. kam es zu Konflikten zwischen den germanischen Stämmen und den Römern, die nach Norden in germanisches Gebiet vorgedrungen waren. Die Kontrolle über die Region wechselte hin und her, bis im Jahr 9 n. Chr. der germanische Krieger Arminius (Hermann) und seine Truppen die Römer in der berühmten Schlacht am Teutoburger Wald besiegten. Die Römer waren gezwungen, eine Zeit lang südlich der Elbe zu bleiben, aber sie kolonisierten schließlich einen Großteil Nordeuropas. Römische Einflüsse sind bis heute in vielen deutschen Städten zu erkennen, von denen die meisten ihre Namen aus dem Lateinischen übernommen haben: Köln, Trier, Mainz, Koblenz und Augsburg. Das deutsche Wort Kaiser kommt von Caesar.

Karl der Große (Charlemagne)

Im fünften Jahrhundert hatten die Franken auf der westlichen Seite des Rheins ein Reich aufgebaut, das das heutige Frankreich, Deutschland, die Niederlande und sogar Norditalien umfasste. Der Merowingerkönig Chlodwig (482-511) konvertierte zum Christentum und herrschte über die Franken. In den 600er Jahren wurden die Merowinger von den Karolingern abgelöst, deren bekanntester Vertreter, Karl der Große (768-814), noch mehr Land eroberte und 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Er machte Aachen zur fränkischen Hauptstadt. Sein Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation war das „Erste Reich“. Das Fränkische Reich teilte sich später in das heutige Deutschland östlich des Rheins und Frankreich im Westen.

Nach seinem Tod im Jahr 814 waren die Nachfolger Karls des Großen (seine Söhne) leider weit weniger fähige Herrscher, und sein Reich begann zu zerfallen. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurde das Gebiet des heutigen Deutschlands in viele einzelne Herzogtümer, Königreiche und Fürstentümer aufgeteilt.

Bismarck und die deutsche Einigung

Nachdem Napoleon Brandenburg-Preußen durch französische Eroberungstruppen gedemütigt hatte, wurde Preußen angespornt, stärker zu werden. Die Franzosen wurden 1813 vertrieben. Zwei Jahre später, auf dem Wiener Kongress, wurde Deutschland in 35 konföderierte Staaten gegliedert. Diese zersplitterte Situation sollte sich jedoch ändern, als die industrielle Revolution in ganz Europa einen Wandel herbeiführte. Nach dem Scheitern der französischen und deutschen liberalen Revolutionen von 1848 übernahm Otto von Bismarck die Führung in Preußen. Der „Eiserne Kanzler“ war kein Liberaler. Er war ein Militär der alten Garde, dessen Ziel die Einigung Deutschlands war, mit Preußen an der Spitze.

Deutschland seit 1945

Die Bundesrepublik Deutschland (Westdeutschland), die derzeitige deutsche Regierung und Verfassung (das Grundgesetz), wurde am 23. Mai 1949 gegründet. (Konrad Adenauer wurde der erste Bundeskanzler der neuen Nation und amtierte 14 Jahre lang). Doch von Anfang an war Deutschland in der Folgezeit in eine Ost- und eine Westhälfte geteilt. Aus der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik. In Ostdeutschland herrschte eine viel stärker zentralisierte, kommunistische Regierung.

Bis zum Bau der berüchtigten Berliner Mauer im August 1961 konnten die Deutschen frei zwischen Ost- und Westdeutschland hin- und herreisen. Die Mauer wurde bis zu ihrem überraschenden Fall im November 1989 zu einem Symbol des Kalten Krieges und des geteilten Deutschlands. Berlin (Ost und West) war eine Brutstätte für Spionage.

Obwohl die meisten Deutschen glaubten, dass es nie dazu kommen würde, kam die deutsche Wiedervereinigung 1990 ohne große Vorwarnung. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und andere historische Ereignisse führten zu raschen Veränderungen in der Weltkarte und der politischen Landschaft. Der westdeutsche Bundeskanzler Helmut Kohl leitete die rasche Rückkehr Ostdeutschlands in die Gemeinschaft und wies die Behauptungen einiger zurück, dies sei zu viel und zu früh gewesen.

Heute ist das wiedervereinigte Deutschland die stärkste Wirtschaft und das bevölkerungsreichste Land der EU. Zusammen mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich hat Deutschland eher widerwillig eine Führungsrolle in der EU übernommen. Die anhaltende Euro-Krise hat Deutschland in eine noch dominantere Position gedrängt, die ihm zwar unangenehm ist, die sich aber aufgrund seiner führenden Wirtschaft nicht vermeiden lässt.

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